Vierter Fastensonntag "Laetare"

Veröffentlicht auf von Bonaventura

Die katholische Kirche begeht heute feierlich den Sonntag „Laetare“, auch „Rosensonntag“ genannt. Bevor wir in die Passionszeit eintreten sollen wir bereits etwas von der österlichen Freude vorkosten. Der Priester trägt am heutigen Sonntag als Ausdruck des freudigen Charakters des Tages rosarote Paramente, der Altar ist mit Blumen geschmückt und die Orgel darf erklingen. Auch die Messtexte stehen heute ganz unter dem Zeichen der Freude, im Gegensatz zu denen der restlichen Fastenzeit, die durchgehend ernsten Charakter haben.

Laetare Jerusalem! – so beginnt der Introitus der heutigen Messe. Freu dich, Jerusalem! Von Papst Innozenz III. ist uns eine Predigt zum heutigen Sonntag überliefert, die die Worte des Introitus ausdeutet. Aus dieser schönen Predigt möchte ich einen kurzen Auszug bringen. Die Übersetzung habe ich selbst angefertigt, der lateinische Originaltext der ganzen Predigt findet sich in: PL CCXVII, 0393C-0398B.

 


Freu dich, Jerusalem! Kommt alle zusammen, die ihr es liebt (Is. 66, 10).

Jerusalem kann auf vierfache Weise in Erwägung gezogen werden, gemäß den folgenden vier theologischen Betrachtungsweisen: historisch, allegorisch, tropologisch, anagogisch. So gibt es ein höheres und ein niedrigeres, ein inneres und ein äußeres Jerusalem. Das höhere ist im Himmel, das niedrigere auf Erden, das innere ist in der Seele, das äußere in Palästina. Vom höheren sagt der Psalmist: Jerusalem, das aufgebaut ist als eine fest in sich geschlossene Stadt (Ps. 121, 3). Zum niedrigeren spricht der Prophet: Erhebe dich, leuchte, Jerusalem, denn dein Licht ist gekommen und die Herrlichkeit des Herrn ist über dir aufgegangen (Is. 60, 1). Über das innere sagt derselbe: Sion werde ich mein Heil geben, und Jerusalem meine Gerechtigkeit (Is. 46, 13). Dem äußeren schließlich ruft der Evangelist zu: Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die, die zu dir gesandt sind (Mt. 23, 37). Auf welches Jerusalem also bezieht sich der Ruf des Propheten: Freu dich, Jerusalem! Kommt alle zusammen, die ihr es liebt (Is. 66, 10)? Nicht auf das äußere, das unter der Fessel der Sünde steht, auf das mehr zutrifft, was in den Klageliedern erzählt wird: Die Wege Zions trauern, weil niemand zum Feste kommt. Die Feinde sind zum Haupte geworden (Thren. 1, 4/5). Wohl aber auf das höhere, von dem der Psalmist verdientermaßen sagt: Die Heiligen frohlocken in Herrlichkeit, jauchzen auf ihren Lagern (Ps. 149, 5). Zu diesen aber wird gesagt: Überlasst euch der Freude, die ihr in Trauer wart (Is. 66, 10).

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