Quo vadis, Mater Ecclesia?

Veröffentlicht auf von Bonaventura

 

Diese Frage wird sich wohl so mancher besorgte Katholik in diesen Tagen stellen. Man könnte die Frage aber auch folgendermaßen formulieren: wohin steuert der Heilige Vater das Kirchenschiff? Konservativere Kreise sehen mit Freude und wohl auch ein bisschen Genugtuung, dass Benedictus XVI. sich bemüht, wieder ein wenig Ordnung in der schwer angeschlagenen Kirche zu schaffen. Die Wiederzulassung der überlieferten römischen Liturgie, die Aufhebung der Exkommunikationen der vier Weihbischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X., weniger exzessiver päpstlicher Ökumenismus als unter Johannes Paul II. All das darf man als Schritte in die richtige Richtung begrüßen. Aber ist die Kirche deshalb schon auf dem Weg der Besserung? Steht eine Genesung kurz bevor? Man wird diese Fragen verneinen müssen. Der Heilige Vater ist in unseren Tagen nicht das Problem, er bemüht sich redlich, der Krise, die die katholische Kirche erfasst hat, einigermaßen Herr zu werden. Doch gegen ihn steht eine riesige Armee von Bischöfen und Priestern auf der ganzen Welt, die zwar Treue und Gehorsam heucheln, in Wirklichkeit jedoch alles tun, damit der verderbliche Kurs der letzten Jahrzehnte beibehalten wird. Sie wollen nicht zur Tradition zurückkehren, sie wollen nicht katholisch werden. Sie reden sich weiterhin ein, mit dem II. Vaticanum sei in der katholischen Kirche ein neues Pfingsten angebrochen, obwohl die Kirche weitgehend ein rauchendes Trümmerfeld ist. Egressus est a filia Sion omnis decor eius, facti sunt principes eius velut arietes non invenientes pascuam et abierunt absque fortitudine ante faciem subsequentis (Thren. 1, 6)! Ja, viele traditionstreue Katholiken werden in den Trauermetten der Karwoche die Lage der Kirche in unserer Zeit vor Augen haben, wenn sie derartige Verse aus den Klageliedern vernehmen. Kraftlos sind so viele von denen, die ihren Schäflein gute Hirten sein sollten, angepasst sind sie an die moderne Welt. Wider alle Vernunft lassen sie nichts unversucht, um die Kirche mit dem Zeitgeist zu vermählen und sie ihm letztlich ganz zum Opfer zu bringen. Ein Umdenken auf breiter Ebene ist hier nicht in Sicht und das macht den Heiligen Vater fast zu einer tragischen Gestalt. Er bemüht sich, aber seine Anliegen sind nicht die seiner Bischöfe. Diese gehen ihre eigenen Wege und gefährden damit das Heil unzähliger Gläubiger.

Ich frage noch einmal: quo vadis, Mater Ecclesia? Eilen wir mit schnellen Schritten auf ein Schisma zu, vielleicht das größte, das die katholische Kirche je gesehen hat? Werden aller Schmutz und alle Räude aus der Kirche ausgewaschen, so dass nur mehr ein kleiner Rest übrig bleibt? Das sind ernste Fragen, auf die es zum jetzigen Zeitpunkt keine Antworten gibt. Eines aber dürfte sicher sein: es werden schlimme Jahre kommen, Jahre des Kampfes, Jahre der Mühsal. Es wird sich zeigen, welche Richtung innerhalb der Kirche die Oberhand behält. Jeder einzelne Katholik aber hat sich zu entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte.

Vielleicht wird sich im Nachhinein zeigen, dass die derzeitige Krise auch etwas Gutes an sich hatte. Ist nicht die Kirche immer wieder mächtig gestärkt aus Krisen hervorgegangen? Das müssen wir immer im Auge behalten, vor allem dann, wenn uns die Verzweiflung angesichts der grauenvollen Zustände in der Kirche gänzlich zu ergreifen droht. Ich bin sicher: eines Tages wird sich die heilige katholische Kirche aufs Neue aus den Trümmern erheben und umso herrlicher erstrahlen. Dieser Tag wird ein Freudentag für die ganze Menschheit sein!

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