Erster Passionssonntag "Iudica"

Veröffentlicht auf von Bonaventura

In der Liturgie des heutigen Sonntages tritt bereits ganz der leidende Christus in den Vordergrund. Der sonst im Stufengebet rezitierte Psalm 42, der einen freudigen Ausklang hat, entfällt heute und an allen Tagen der Passionszeit ebenso wie das Gloria Patri. Dafür werden die ersten Verse des Psalms 42 im Introitus gebetet: "Schaff Recht mir, Gott, und führe meine Sache gegen ein unheiliges Volk; von frevelhaften, falschen Menschen rette mich; denn Du bist ja mein Gott und meine Stärke. Send mir Dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie zu Deinem heiligen Berg mich leiten und mich führen in Dein Zelt."

 

Wie schon am Sonntag "Laetare" möchte ich auch heute einen kurzen Text veröffentlichen, einen Auszug aus der neunten Predigt des hl. Papstes Leo des Großen zur Fastenzeit. Ich bringe die deutsche Übersetzung aus der Bibliothek der Kirchenväter [Leo der Grosse, Sämtliche Sermonen. Aus dem Lateinischen übersetzt und mit Einleitung und Inhaltsangaben versehen von Dr. Theodor Steeger. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 54-55) München 1927.] Bei dem Text handelt es sich um die sechste Lesung der Matutin des heutigen Tages.

"Wie also für jede Zeit die Forderung gilt, ein gottesfürchtiges Leben zu führen, so gilt auch für jede Zeit die Forderung, das Kreuz zu tragen. Berechtigt aber ist es, bei jedem von " seinem" Kreuze zu sprechen, da bei jedem die Art und Schwere des Kreuzes, das er zu ertragen hat, eine besondere ist. Gemeinschaftlich ist der Begriff Verfolgung, verschieden aber die Ursache der Bedrängnis. Gefährlicher als der offene Feind ist zumeist jener, der uns im verborgenen nachstellt. Durch den Wechsel der Güter und Übel dieser Welt belehrt, sprach der fromme Job die gottergebenen und wahren Worte: "Ist nicht des Menschen Leben auf Erden eine Versuchung?". Nicht allein körperlichen Qualen und Martern sieht sich die gläubige Seele ausgesetzt; nein, selbst wenn die Glieder ihres Leibes heil und unversehrt bleiben, wird sie doch von einer schweren Krankheit heimgesucht, wenn sie sich durch sinnliche Lust in Weichlichkeit verstricken läßt. Da aber "das Fleisch wider den Geist gelüstet und den Geist wider das Fleisch", so nimmt sich eine verständige Seele das Kreuz Christi als Schutzwaffe. Und wenn schädliche Begier sie reizt, so gibt sie sich nicht gefangen, weil sie sich kreuzigt mit den Nägeln der Enthaltsamkeit und sich durchdringen läßt von der Furcht des Herrn."

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