Neuscholastische Literatur

Veröffentlicht auf von Bonaventura


I. Einleitende Bemerkungen

 

„Schultheologie“ ist wohl eines der verhasstesten Wörter der modernen Theologen. Und da zu einer Schultheologie natürlich auch Schulbücher gehören, fallen auch diese einer schonungslosen Kritik zum Opfer. Von Uniformität, Lebensfremde, Begriffsklauberei u.v.m. ist die Rede. Das geht nicht selten soweit, dass die gesamte Neuscholastik einfachhin auf die Schul- bzw. Lehrbücher, die sie hervorgebracht hat, reduziert wird.

Dagegen wird jeder, der auf klares und geordnetes philosophisches und theologisches Denken Wert legt, Sinn und Nutzen der neuscholastischen Lehrbücher erkennen. Die bündige und klar strukturierte Form, in der die Inhalte dargeboten werden, ermöglichen einen relativ leichten Einstieg in Philosophie und Theologie. Die vielen Definitionen und Distinktionen verhindern eine Konfusion des Denkens, wie sie heute so weit verbreitet ist.

Selbstverständlich genügt es für wissenschaftlich überdurchschnittlich interessierte Studenten nicht, bei den Lehrbüchern stehenzubleiben. In diesem Fall müssen Quellentexte und wissenschaftliche Monographien und Artikel herangezogen werden. Aber auch für den Wissenschaftler sind die Lehrbücher weiterhin eine nicht zu unterschätzende Hilfe.

Ich möchte in diesem Artikel neuscholastische Literatur vorstellen, darunter auch einige Lehrbücher, v.a. aus den Bereichen Dogmatik und Philosophie. Dem aufmerksamen Leser wird vielleicht auffallen, dass vieles davon „jesuitischem Milieu“ entstammt. Der Grund dafür ist, dass die ersten neuscholastischen Werke, die ich auf Empfehlung gelesen habe, allesamt von Professoren der Gesellschaft Jesu verfasst waren. Erst nach und nach bin ich auch auf Werke von Neuscholastikern aus anderen Orden und aus dem Weltklerus gestoßen.

Ebenso möchte ich es nicht unterlassen, jedem Studenten der Philosophie und Theologie, der Zeit und Interesse hat, die Lektüre der Quellen wärmstens anzuempfehlen. Wir sind heute in der glücklichen Lage, bereits von sehr vielen Werken katholischer Gelehrter der Vergangenheit kritische Textausgaben zu besitzen. Es wäre bedauerlich, wenn diese lediglich von einem kleinen Häuflein Fachgelehrter genutzt werden würden. Zum mindesten die unbestrittenen „Klassiker“, wie Thomas von Aquin oder Augustinus, sollten regelmäßig im Original gelesen werden.

Ich beabsichtige, in den nächsten Wochen und Monaten eine Artikelserie über die Neuscholastik zu veröffentlichen. Darin möchte ich aufzeigen, dass die Neuscholastik keineswegs von den Vorwürfen betroffen ist, die ihr von ihren Gegnern entgegengeschleudert werden, ohne jedoch ihre Schwachpunkte oder Probleme zu verschweigen.

 

II. Philosophie

 

1. Cathrein, Viktor, Moralphilosophie. Eine wissenschaftliche Darlegung der sittlichen, einschließlich der rechtlichen Ordnung. 2 Bde. Freiburg (u.a.) 31899.

2. Donat, Josephus, Summa Philosophiae Christianae. 8 Bde. Oeniponte 1910ff.

3. Franzelin, Bernardus, Quaestiones selectae ex philosophia scholastica fundamentali, imprimis destinatae ad usum scholarum. Oeniponte 1921.

4. Fuetscher, Lorenz, Akt und Potenz. Eine kritisch-systematische Auseinandersetzung mit dem neueren Thomismus. (Philosophie und Grenzwissenschaften IV/4-6). Innsbruck 1933.

5. Fuetscher, Lorenz, Die ersten Seins- und Denkprinzipien. (Philosophie und Grenzwissenschaften III/2-4). Innsbruck 1930.

6. Gredt, Josephus, Elementa Philosophiae Aristotelico-Thomisticae. 2 Bde. Barcinone 111956.

7. Jouin, Ludovicus, Compendium logicae et metaphysicae. New York 71912.

8. Kleutgen, Joseph, Die Philosophie der Vorzeit. 2 Bde. Innsbruck 21878.

9. Manser, Gallus, Das Wesen des Thomismus. Fribourg 31949.

10. Pechhacker, Anton, Der Logos des Seins. Innsbruck 1961.

11. Santeler, Josef, Der Platonismus in der Erkenntnislehre des heiligen Thomas von Aquin. (Philosophie und Grenzwissenschaften VII/2-4). Innsbruck 1939.

 

 

III. Systematische Theologie

 

1. Bartmann, Bernhard, Grundriss der Dogmatik. Freiburg 1923.

2. Garrigou-Lagrange, Reginaldus, Commentarius in Summam Theologiae S. Thomae. 7 Bde. Rom / Turin / Paris 1938-1954.

3. Garrigou-Lagrange, Reginaldus, De revelatione per ecclesiam catholicam proposita. 2 Bde. Romae 31929-1931.

4. Hurter, Hugo, Theologiae dogmaticae compendium in usum studiosorum theologiae. 3 Bde. Oeniponte 111903.

5. Kleutgen, Josephus, Die Theologie der Vorzeit. 4 Bde. Münster 1854-1870.

6. Kleutgen, Josephus, Institutiones theologicae in usum scholarum. Volumen primum praeter introductionem continens partem primam quae est de ipso Deo. Ratisbonae / Neo Eboraci / Cincinnatii 1881.

7. Minges, Parthenius, Compendium theologiae dogmaticae generalis. Monachii 1902.

8. Noldin, Hieronymus, Summa theologiae moralis. 3 Bde. Oeniponte 31902.

9. Ott, Ludwig, Grundriss der Dogmatik. Freiburg 1952.

10. Schneemann, Gerardus, Controversiarum de divinae gratiae liberique arbitrii concordia initia et progressus. Friburgi Brisgoviae 1881.

11. Schultes, Reginaldus Maria, Introductio in historiam dogmatum. Paris 1922.

12. Stufler, Ioannes Baptista, Divi Thomae Aquinatis doctrina de Deo operante in omni operatione naturae creatae praesertim liberi arbitrii. Oeniponte 1923.

 

 

IV. Sonstiges

 

1. Donat, Josef, Die Freiheit der Wissenschaft. Ein Gang durch das moderne Geistesleben. Innsbruck 21912.

2. Grabmann, Martin, Der Gegenwartswert der geschichtlichen Erforschung der mittelalterlichen Philosophie. Akademische Antrittsvorlesung. Freiburg (u.a.) 1913.

3. Grabmann, Martin, Die Geschichte der katholischen Theologie seit dem Ausgang der Väterzeit. Mit Benützung von M.J. Scheebens Grundriß dargestellt. Freiburg 1933.

4. Grabmann, Martin, Die Geschichte der scholastischen Methode. 2 Bde. Freiburg 1909-1911.

5. Grabmann, Martin, Die theologische Erkenntnis- und Einleitungslehre des heiligen Thomas von Aquin auf Grund seiner Schrift in Boethium de trinitate. (Thomistische Studien Bd. IV). Freiburg i.d. Schweiz 1948.

 

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